Die dunklen Seiten des Lebens im Tiny House

6 Minuten Lesezeit

Um eines Vorweg zunehmen: Auch wenn ich in diesem Artikel die Schattenseiten beleuchte, ist das Leben im Tiny House lebenswert und schön.
Aber wie der Titel schon andeutet, ist nicht alles so einfach, wie es im ersten Moment wirkt. Ich starte mal eine Auflistung:

Sauberkeit

Ohja, ein Tiny House sauber zu machen, ist eine Sache von 15-20 Minuten – wenn man nicht auch mal die Fenster putzen will – und somit eine rasche Angelegenheit und ein Pluspunkt.

– aber –

Genauso schnell wie das Haus sauber wird, wird es auch wieder dreckig.

In großen Häusern verteilt sich nicht nur der Besitz, sondern auch der Schmutz auf viel Raum. Im Tiny House nicht. Insbesondere wenn man viel draußen ist, ist Fegen oder Saugen alle zwei Tage angesagt. Wenn man dann noch wie wir zwei Hunde hat, ist die Konsequenz selbstredend.

Gerüche

Um von der Küche ins Badezimmer zu gelangen, braucht man nicht mal einen Schritt. Romantisch, denn das Glas Wein steht quasi so oder so direkt neben der Badewanne.

Nun kann man es jedoch nicht von der Hand weisen, dass der Besuch im Badezimmer manchmal ein wenig Geruch hinterlässt. Die Komposttoilette, so in unserem Fall, funktioniert wirklich gut und ist sehr geruchsabsorbierend – aber dieser kleine Moment zwischen Aufstehen und ’spülen‘ hat es manchmal in sich. Abhilfe schafft das kleine Fenster direkt neben dem Klo und ein Vorhang, der den Toilettenbereich abtrennt. Aber keine Angst: der Zeitraum in dem es tatsächlich zu merken ist, ist sehr sehr gering. Trotzdem kann sicherlich kein Tiny House Bewohner – egal, ob Kompost- oder anderes Toilettensystem sagen, dass es niemals mal riecht…

Ein Lüfter, der die Luft direkt aus dem Klo nach draußen schafft, könnte eine Lösung sein. Von einem dauerhaft laufenden Lüfter halten wir jedoch nichts. Eine Schaltung, die den Lüfter beim Öffnen des Toilettensitzes aktiviert, könnte funktionieren. (Ähnliches Prinzip wie das Licht in einem Kühlschrank.)

Gerüche aus der Küche können genauso penetrant sein und teilweise hartnäckiger. Durch häufiges Lüften und eine fest verschlossene Kommode für unsere Klamotten ist dies allerdings zumindest für uns kein Problem.

Mobil?

Ja, aber… Wer es sich wirklich gemütlich machen will in seinem Haus, aber nicht ganz autark ist, sollte sich schnell von dem Gedanken verabschieden, dass man mit so einem Tiny House auf Rädern ja auch „mal eben schnell in den Urlaub fahren kann“. Mindestens zwei Tage brauchen wir um Randír fertig für die Straße zu machen.

Wir leben sehr gemütlich, haben einige Deko und viele Küchenutensilien, die vor der Fahrt in extra Kartons verstaut werden müssen. Strom und Internet bekommen wir über Kabel die über eine Strecke von mehr als 50m verlegt sind und aufgewickelt werden wollen. Das Vordach, die Abwasserrohre und die Regenschutzschalen für unsere Lüftungen müssen abmontiert werden.

Das Haus ist als Ladung auf dem Trailer, das heißt Spanngurte müssen befestigt werden… du siehst, eine lange Liste an Dingen, die getan werden müssen. Für uns war es allerdings auch nicht der Plan mit Randír viel unterwegs zu sein. Wenn du so etwas vor hast, würden wir dir sehr empfehlen über kleinere Varianten nachzudenken. Ein 12m-Geschoß mit 4m Höhe ist wirklich eine Ansage 🙂

Nasse Sachen

Ich habe kurz überlegen müssen, ob ich diesen Punkt anbringe, da Marco und ich mittlerweile gute Lösungen gefunden haben. Aber zu Beginn war es manchmal eine große Improvisation: Es regnet, der Spaziergang war schön, alles ist nass und – ach die Wäsche trocknet ja auch noch…

Angefangen von dem fehlendem „Vorraum“ bzw. einer Dreckschleuse vor der Haustür, wo man die Dinge trocken lagern kann bis hin zum fehlenden Platz im Haus, fehlten uns doch Ideen, wie wir am besten damit umgehen.

Mittlerweile ist klar, dass die Hunde erst abgetrocknet werden bevor sie das Haus betreten und ein Handtuch um bekommen  (je nach Felllänge hat ein sich schüttelnder Hund eine immense Reichweite von sicherlich über 2,50 m Raumbreite). Für unsere Schuhe haben wir Schuhschalen* (Im  Artikel über Feuchtigkeit im Tiny House steht noch einiges mehr) und wir haben mittlerweile einige Möglichkeiten unsere Kleidung aufzuhängen, ohne dass sie im Weg hängt.

Das altbekannte Thema: Rechtliches

Das ich hier aber außer Acht lassen möchte. Fakt ist, dass es in Deutschland leider bisher schwierig ist in einem Tiny House zu leben…

 

Ganz davon abgesehen, ist es ein wundervolles Gefühl in dieser kleinen Höhle zu leben. Auch das Empfangen von Gästen ist unproblematisch – erfordert lediglich Freunde, die auch gerne improvisieren und zum Essen kein separates Esszimmer benötigen. An dieser Stelle denke ich gerne an einen von Marcos Lieblingssprüchen: „Ich habe drei Stühle in meinem Haus: einen für die Einsamkeit, zwei für die Freundschaft und drei für die Gesellschaft“*.

Diese Liste kann sehr gerne von dir fortgeführt werden – vielleicht hast du noch andere Erfahrungen gemacht. Schreib es uns einfach in die Kommentare!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Ich bin damit einverstanden, dass Name, E-Mail, Inhalt und Webseite gespeichert werden. *