Feuchtigkeit im Tiny House

Es ist Winter. Über Nacht sammelt sich ein wenig Kondenswasser an den Fensterscheiben. Das ist alles. Dabei hört und sieht man immer wieder Geschichten von Tiny House Bewohnern, die in den kalten Jahreszeiten massiv mit Feuchtigkeit im Tiny House zu kämpfen haben.
Wie Feuchtigkeit im Tiny House entsteht und welche Möglichkeiten es gibt sie zu reduzieren oder eliminieren, werden wir hier beleuchten.

Wie entsteht Feuchtigkeit im Tiny House?

  • Wir alle atmen. Die Luft wird in unserem Körper mit Wasser angereichert. Wir leben zu viert in unserem Tiny House. Da kommt einiges zusammen, auch wenn es pro Atemzug nicht viel ist.
  • Beim Kochen und Wasser erhitzen reichert sich die Luft mit Wasser an. Man denke nur an die schön dampfenden Speisen.
  • Das gleiche gilt auch für Duschen und Baden.
  • Nasse Wäsche gibt ihre Feuchtigkeit an die Luft ab, wenn sie trocknet
  • Wenn Propangas verbrennt entsteht Wasser
  • Wenn es draußen regnet oder Schnee liegt, trägt man viel Feuchtigkeit nach innen. Ein Tiny House hat in der Regel keinen Flur, in dem man die Kleider lässt, bevor man ins Innere weiter geht. So gelangt Feuchtigkeit über Schuhe und Kleidung direkt ins Haus. In unserem Fall auch über das Fell der Hunde.
  • Wenn du in einem so feuchten Tal wohnst, wie wir ist die Luftfeuchtigkeit draußen bereits sehr hoch.

Wie bekomme ich Feuchtigkeit wieder aus dem Tiny House heraus?

  • Ein Holzofen (Feststoffofen) zieht Luft aus dem Innenraum heraus. Feuchte Luft wird ebenfalls aus dem Raum gezogen. Die Luft wird wieder trocken und hat die Möglichkeit neue Feuchtigkeit aufzunehmen. Es ist wichtig bei einem Ofen, der die Luft aus dem Innenraum zieht, darauf zu achten, dass genug Sauerstoff in den Raum nach kommt. Wenn man nicht 100% dicht gebaut hat, ist das kein Problem, ansonsten muss man die Tür oder ein Fenster einen kleinen Spalt öffnen. Ideal ist es, wenn man beim Ofen regeln kann, ob die Luft von außen oder von innen kommen soll. Wenn dein Haus nicht 100%ig dicht ist, benötigst du aber eher keine Außenluftzufuhr.
  • Kerzen und Öllampen ziehen die Feuchtigkeit auch minimal aus der Luft.
  • Wir haben einen Luftaustauscher bei uns eingebaut, der die Luftfeuchtigkeit misst und automatisch mehr arbeitet, wenn die Feuchtigkeit hoch ist. Da wir gerade in einem sehr feuchten Tal wohnen, macht dieser wenig Sinn für uns, da die Luft draußen meist feuchter ist als die drinnen.
  • Beim Lüften gleicht sich die Luft innen an die Außenluft an. Auch das funktioniert nur, wenn die Feuchtigkeit draußen niedriger ist als die drinnen. Beim Stoßlüften kühlt nur die Luft kurz aus und das Haus erwärmt sich danach schnell wieder, da alle Gegenstände, Einrichtung und Wände die Wärme noch ein wenig länger speichern.
  • Eine Gasheizung und Gasdurchlauferhitzer sollten ihr Abgas und damit auch die Feuchtigkeit, die bei der Verbrennung entsteht, nach außen abführen.
  • Beim Kochen kann man den Dunstabzug anschalten, so dass Feuchtigkeit direkt nach außen gezogen wird. Du kannst aber auch das Küchenfenster öffnen.

Was hilft, wenn Feuchtigkeit bereits vorhanden ist?

Kleine Tools helfen dir im Kampf gegen die Feuchtigkeit:

Bambus Aktivkohle Luftentfeuchter Der passive Bambus-Aktvikohle Luftenfeuchter nimmt Feuchtigkeit so lange auf, bis er ‚voll‘ ist. Im Backofen oder in der Sonne kann die Feuchtigkeit wieder verdunstet werden. Es macht am meisten Sinn den Luftentfeuchter dort hin zu legen/hängen wo wenig Wärme hin kommt und wo sich Feuchtigkeit sammelt.

Luftaustauscher von Bayernüfter Der Luftaustauscher von Bayernluft transportiert aktiv Luft von draußen nach innen und von innen nach draußen. Dabei wird die Lufttemperatur jeweils aneinander angeglichen. Kalte Luft wird also aufgewärmt, warme abgekühlt. Begleitet wird der Luftaustauscher von einem dauerhaften Lüftergeräusch. Man kann die Zeiten und die Intensität einprogrammieren, so dass man zum Beispiel nachts nicht so viel davon mitbekommt. Ein Sensor fährt die Intensität automatisch hoch, wenn die Luftfeuchtigkeit beim Duschen oder Kochen ansteigt.

Schuhschale mit Gummistiefeln

In den Herbst- und Wintermonaten trägt man Feuchtigkeit über die Schuhe ins Haus, gerade wenn man keinen Flur hat. Statt unsere Schuhe auf Handtücher oder Fußabtreter zu stellen und diese wieder trocknen zu lassen, sind wir inzwischen zu einer Schuhschale gewechselt. Der Vorteil ist, dass man das hereingetragene Wasser nach dem Abtropfen wieder nach draußen schütten kann.

  • Ein Vordach zum Schuhe stehen lassen ist auch eine Option, wenn man nicht ganz so viel Feuchtigkeit mit herein tragen möchte. Man hat auch die Möglichkeit die Schuhe schon draußen auszuziehen ohne weiter im Regen zu stehen. Wenn das Vordach aber so klein ist wie unseres, funktioniert es nur, wenn es keinen horizontalen Regen gibt. Und sich unsere Hunde nicht direkt neben uns ausschütteln.
  • Eine Papiervlies-Tapete mit Lehmfarbe kann minimal zur Regulierung der Luftfeuchtigkeit beitragen. Eine optimle Lösung wäre sicherlich ein Lehmputz – bisher haben wir aber noch keine sinnvollen Möglichkeiten der Umsetzung gefunden.

So viel zu unserer Erfahrung und unseren Ideen. Hast du noch weitere Ideen, wie man aktiv und passiv gegen Feuchtigkeit vorgehen kann? Schreib es uns gerne in die Kommentare. Wir sind wie immer dankbar für jede Anregung.

3 Kommentare zu “Feuchtigkeit im Tiny House

  1. Hallo Kaya und Marco! Wir haben auch das von euch beschriebene Problem und danken für den Tipp mit dem Aktivkohle-Luftentfeuchter. Nach meiner Recherche nützt ein Dunstabzug aber leider wenig gegen die Feutigkeit sondern – entgegen der Bezeichnung – eher gegen Gerüche? Wir kochen jeden Tag, leben zu zweit mit unserer Hündin und lüften alleine bringt uns leider auch wenig Erfolg. Also werden wir weiter suchen und sind gespannt auf eure Erfahrungen. Danke und liebe Grüße, Sabine und Christoph

    1. Hallo Sabine und Christoph,

      wir haben hier keinen Dunstabzug, so dass ich keinen direkten Vergleich habe. Ein Dunstabzug zieht meiner Meinung (wurde nach kurzer Recherche auch bestätigt) nach die Feuchte Luft direkt wieder aus dem Haus.
      Der Holzofen wirkt bei uns wahre Wunder, wobei ich auch einsehe, dass ein Einbau vielleicht zu aufwändig sein kann. Er wäre dennoch meine Wahl, vor allem wenn alles andere eventuell Schimmel bedeutet.

      Ich drücke Euch die Daumen. Genre könnt Ihr uns auch mitteilen, wenn ihr eine andere Lösung für Euch gefunden habt : )

      Alles Liebe
      Marco

  2. Moin, moin,
    zum Thema Feuchtigkeit im Tiny House vielleicht ein kleiner ergänzender Hinweis.
    Entscheidend ist, dass man den Unterschied zwischen relativer und absoluter Luftfeuchte beachtet. D.h. einfaches Heizen löst keine Probleme sondern kann es sogar noch verschlimmern, weil wärmere Luft mehr Wasser tragen und bei Abkühlung wieder abgeben kann.
    Es muss also die absolute Luftfeuchte entweder mittels Luftaustausch oder Luftentfeuchtung verringert werden. Dazu sind in jedem Energiesparhaus technische Lösungen wie Luft-Luft-Wärmetauscher oder Wärmepumpe zur Entfeuchtung erforderlich. Das gilt für ein Tiny House um so mehr, weil ein einziger Mensch bereits ca. einen Liter Feuchtigkeit pro Tag ausschwitzt und ausatmet. Auf ein Tiny House mit 60 m3 Raumvolumen bedeutet das, dass pro m3 täglich ca. 17 g Wasser hinzukommen. Luft kann aber bei 20°C nur ca. 17 g aufnehmen und trägt bei 60 % rel. LF bereits 10 g. Es entsteht also zwangsläufig Schwitzwasser. Ist die Dämmung schlecht oder sind die Wände zugig, dann mag Heizen oder auch lüften eine Teillösung sein. Dann besteht aber immer das Problem, dass es gar keine offizielle Baugenehmigung gegeben hat, weil i.d.R. die Berechnung des Energieverbrauch dazu benötigt wird. Wenn z.B. ein Gasherd eingebaut ist, müssen aus Sicherheitsgründen auch Zwangsentlüftungen in Tür und Decke verbaut werden, womit wieder die EnEV nicht erfüllt werden kann. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.
    Wenn aber das Tiny House als Energiesparhaus sehr gut gedämmt ist, kommt man tatsächlich um eine technische Lösung wie Austausch oder Entfeuchtung nicht herum.

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