Wohnen im Tiny House – Interview mit Klaus Toczek

Heute berichtet uns Klaus Toczek von seinem Hausbau und dem Leben im Tiny House.
Er war eine große Inspiration für uns, da er einer der ersten war, die in Deutschland Ihren Tiny House Bau und das Leben darin öffentlich machte. Auf seiner Webseite findest du Infos über sein Tiny House und seine weiteren Pläne. Auch sein detailliertes Bautagebuch ist auf jeden Fall mehr als einen Blick wert.

kleinerleben:
Hallo Klaus!
Wie bist du auf das Thema Tiny Houses gestoßen? Was macht für dich die Faszination an diesen kleinen Häusern aus?
Klaus:
Ich war auf der Suche nach einer Wohnkabine für meinen Pick-up, so der Plan. Dabei fand ich zufällig im Internet erste Fotos von Tiny’s aus den USA und war sofort fasziniert. Der Entschluss so etwas zu besitzen stand sofort fest. Klein, bezahlbar, mobil, ohne Bank zu finanzieren.

kleinerleben:
Hat Dein Tiny House einen Namen?
Klaus:
Das Tiny House sollte mal „Blueberry Hill“ heißen, weil als Außenfarbe blau geplant war und in Anlehnung an den Song von Fats Domino (I found my freedom at Blueberry Hill…)
Jetzt ist das TH lindgrün und hat keinen Namen.

kleinerleben:
Warum hast Du Dich zu einem Leben im Tiny House entschlossen? Seit wann lebst Du in Deinem Tiny House?
Klaus:
Ich habe voriges Jahr (2017) von April bis November drin gelebt, dann stellte ich leider einen massiven Wasserschaden in der Dusche fest. Die Silikonfugen Duschwanne-Wand waren leider undicht geworden und es über lange Zeit Wasser eingedrungen. Beim Entfernen der Duschwanne zeigten sich großflächige Schäden an der Verkleidung der Wände, das Wasser war teilweise bis in die Isolierung eingedrungen. Es musste also alles raus. Bei der Gelegenheit entschloss ich mich dann auch dazu, gleich alle Möbel heraus zu reißen und das gesamte Tiny House neu einzurichten. Ich hatte einfach viel zu viele Möbel fest eingebaut. Der Prozess ist leider immer noch im Gange, und derzeit wohne ich mit meiner Frau in ihrem Mobilheim auf ca. 36 m².

kleinerleben:
Hast Du Dein Tiny House selbst gebaut? An welche Herausforderungen erinnerst Du Dich im Speziellen?
Klaus:
Der Rohbau war sicher noch das Einfachste. Die Wasser- und Abwasseranlage war für mich sehr kompliziert, auch der Selbstbau von Möbeln war nicht einfach. Das mache ich auch beim Neubau nicht mehr, da kommen jetzt Möbel von einem bekannten schwedischen Möbelhaus rein, das geht schnell und einfach und sieht gut aus. Und ein narrensicheres Stecksystem für die Wasseranlage, damit nichts mehr undicht wird. Und ein sicherer Wandabschluss an der Dusche. Wasser und Feuer sind bekanntermaßen die größten Feinde eines jeden Hauses, ich bin froh dass ich den Schaden (noch) rechtzeitig bemerkt habe.

kleinerleben:
Was hat sich seither für Dich verändert? Was ist besser geworden, was vermisst Du?
Klaus:
Ich habe festgestellt dass ich bei der ursprünglichen Planung noch viel zu viel mitnehmen wollte aus unserem 130 m² Haus. Im Laufe der Monate hat sich gezeigt, dass ich noch viel weniger brauche. Der vorige Sommer war weitgehend davon geprägt im Freien zu sitzen und mit anderen Menschen gemütlich zu reden.

kleinerleben:
Würdest Du Dein Tiny House inzwischen anders bauen? Was würdest Du ändern?
Klaus:
Wie schon oben gesagt, es war viel zu voll gebaut mit Möbeln. Auch die Betten unter dem Dach habe ich abgeschafft, mit zunehmendem Alter wird es nicht leichter dort oben z. B. das Bett zu beziehen. Jetzt bleibt nach oben hin alles offen, und es wird insgesamt viel spärlicher möbliert. Der freie Raum als Bewegungsfläche ist wichtiger als gedacht.

kleinerleben:
Kannst Du Dir vorstellen mit einem Partner im Tiny House zu leben?
Klaus:
Definitiv nein. Ich habe 1988 mit meiner damaligen Freundin monatelang in einem VW-Bus gelebt, wir waren in ganz Europa unterwegs. Das funktioniert nur solange, wie das Wetter gut ist und man draußen sitzen kann, und auch nur dann wenn man sich wirklich super gut versteht. Im Winter wäre das schon kritisch geworden.

kleinerleben:
Welche Herausforderungen bietet Dir das Tiny House Leben?
Klaus:
Im Winter gibt es keine Wasserquelle vor Ort, da muss ich zum Kanister greifen und den eingebauten Tank befüllen. Und regelmäßig die Gasflasche für die Heizung tauschen. Und mich Abends beschäftigen weil alle Nachbarn ebenfalls zu Hause im Warmen sitzen und niemand vor die Tür geht.
Das sehe ich schon als Herausforderung an, die Langeweile langer Winterabende kann nerven.

kleinerleben:
Welche Quelle der Inspiration hast Du genutzt, wo hast Du Informationen für den Bau gefunden?
Klaus:
Überwiegend das Internet, zu Anfang habe ich mir auch Bücher aus den USA kommen lassen. Ansonsten habe meine Erfahrungen aus dem Wohnmobil sicher auch geholfen, teilweise aber auch in die Irre geführt.

kleinerleben:
Welchen Ratschlag hast Du für jemanden, der in einem Tiny House leben möchte?
Klaus:
Ausprobieren, probewohnen, und dann nicht lange zögern, sondern machen.

kleinerleben:
Danke, dass Du Dir die Zeit genommen hast unsere Fragen zu beantworten.

 

Konnte dir Klaus mit seiner Erfahrung weiterhelfen? Hast du noch weitere Fragen an ihn? Lass es uns in den Kommentaren wissen.

Beitragsbild © Klaus Toczek / Tiny House Deutschland

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