Hin und Zurück – Vom Leben im Tiny House

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Randír, wir haben dich verkauft. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Dich hat es zutiefst getroffen. Ich hoffe du kannst uns verzeihen, auch wenn du einen Fluch auf uns ausgesprochen und die Käuferin in eine Hexe verwandelt hast.

Es war ein junges Mädchen. Sie hatte Krankheiten besiegt, wurde verstoßen und hatte wenig Geld. Wir wollten sie auffangen, haben ihr einen Ratenkauf angeboten. Sie war überglücklich, wir ihre Retter.

Und wir? Wir würden unsere Träume ausleben.
Wir wollten zu Fuß mit unseren Pferden und Hunden nach Skandinavien gehen, die Nordlichter sehen, überwintern, sehen wohin es uns weiter ziehen würde. Und auf dem Weg ganz viel bei uns sein. Bei uns und bei dem Weg.

Einen Mondzyklus lang terrorisierte uns die Hexe. Machte uns mürbe. Wir wollten nur noch, dass es aufhört. Alles womit sie uns geködert hatte, stellte sich als Lüge heraus.

Du bist ein blauer Wanderer, ähnlich dem grauen Wanderer Mithrandír. In dir steckt die Kraft der Maiar. So ist es kein Wunder, dass du es wieder zu uns geschafft hast.

Randír, du darfst bei uns bleiben!

Und nun lecken wir gemeinsam deine Wunden, auch wenn du deine Reise halbwegs gut überstanden hast. Nachdem sie dich schlecht geredet hatte, verpasste sie dir schlimme Kratzer an deiner Haut, riss eine deiner Türen ab und wo sie die Möbel rückte blieben tiefe Spuren zurück. Voller Asche in deinem Herzen schickte sie dich auf die Reise. Kein Wunder, dass dein inneres bei der Ankunft bei uns mit einem grauen Film überzogen und vollkommen verstaubt war. (Das sollte eigentlich jedem klar sein: Putzt euren Ofen aus, bevor ihr euer Tiny House auf eine Reise schickt!)

Zum Ausgleich für die neu gewonnen Narben fehlt ganz viel Kleinkram, den wir der Käuferin für einen guten Start mitgegeben hatten. Sogar von deiner hübschen Blumendeko hast du eingebüßt.

Schlussendlich sind wir nun um die Transportkosten ärmer, die Neuanschaffung des Kleinkrams würde um die 250 Euro kosten – aber wir sind ja Minimalisten, es muss auch ohne gehen.

Die Narben werden nie mehr ganz verschwinden. Und unser Misstrauen anderen Menschen gegenüber müssen wir nun langsam wieder abbauen.
Unsere Wanderschaft liegt nun erst einmal auf Eis. Und dennoch schauen wir dich an und sind voller Glück – du gehörst wirklich zu uns.

 

Vielleicht ist diese Geschichte auch der Grund, lieber Leserin, warum du hier gerade nicht mehr so viel von uns zu lesen bekommst.

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